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Saarbrücker Forscher untersuchen epigenetische Ursachen von chronischen Entzündungen in EU-Projekt

Wie verändern sich Gewebe, Blut und Zellen auf molekularer Ebene, wenn man an komplizierten chronischen Entzündungen erkrankt? Dies wollen Forscher unter Leitung des Kieler Professor Philip Rosenstiehl in dem Europäischen Exzellenzcluster SYSCID herausfinden. Sie werden dafür von der Europäischen Kommission über fünf Jahre mit rund 14,4 Millionen Euro unterstützt, davon fließen 1,2 Millionen Euro an die Universität des Saarlandes. Dort will Jörn Walter, Professor für Epigenetik, dazu beitragen, die Krankheitsverläufe etwa bei einer rheumatoiden Arthritis oder schweren Darmentzündung besser zu verstehen, um neue Therapien zu entwickeln.

Der Abkürzung des europäischen Forschungsprojekts SYSCID steht für  „Systems medicine approach to chronic inflammatory disease“ (Systemmedizin für chronisch entzündliche Erkrankungen). Es startet 2017 und baut auf Arbeiten des Deutschen Epigenom Programms (DEEP) auf, das von Professor Jörn Walter koordiniert wird. „Hier haben wir die grundlegenden Prozesse untersucht, die Gene in Zellen ‚an- und ausschalten‘. Darüber spezialisieren sich die Zellen und steuern bestimmte Funktionen, bei einer Fehlschaltung können aber auch Krankheiten entstehen. Die Zellen werden durch chemische Veränderungen der DNA gesteuert, den sogenannten epigenetischen Markierungen“, erläutert Professor Jörn Walter. Ihre Expertise in der Epigenetik und Bioinformatik wollen die Saarbrücker Forscher nun in das neue europäische Verbundprojekt einbringen.

Neben der Suche nach epigenetischen Auffälligkeiten im Blut oder Gewebe werden die Forscher auch die so genannten Transkriptome und Epigenome einzelner Zellen analysieren. Dabei kommen neue technologische Entwicklungen der Saarbrücker Epigenetiker zum Einsatz. „Die Profile weniger oder einzelner Zellen epigenetisch zu untersuchen, war bis vor kurzem noch undenkbar. Mit Hilfe neuer experimenteller und bioinformatischer Verfahren können wir kranke und gesunde  Zellen viel genauer unterscheiden“, erklärt Jörn Walter.

Im SYSCID-Projekt wollen die Forscher aber noch einen Schritt weiter gehen und herausfinden, welche Umweltfaktoren solche Veränderungen mit hervorrufen können. Zu solchen „weichen“ Faktoren zählen zum Beispiel das Vorkommen bestimmter Darmbakterien oder die individuelle Lebensweise des Patienten. „Wir wissen, dass die Umwelt einen Einfluss auf komplexe Erkrankungen hat. Uns fehlen aber noch genaue Daten, an welchen Genen und in welchem Ausmaß diese Einflüsse stattfinden“, sagt Jörn Walter. Die Forscher wollen dafür die Daten von großen Patientengruppen in Europa auswerten, um solche weichen Faktoren über einen längeren Zeitraum zu verfolgen.

Die Europäische Kommission unterstützt das fünfjährige internationale Forschungsprojekt SYSCID mit 14,4 Millionen Euro. Im Rahmen des interdisziplinären Projekts werden drei Erkrankungen genauer erforscht: die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen, die Autoimmunkrankheit „Systemischer Lupus erythematosus“ und die rheumatoide Arthritis.

Weitere Informationen: http://epigenetik.uni-saarland.de